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    Nachfolgeplanung und Personalgewinnung: Warum beides zusammengehört

    Kanzleinachfolge scheitert selten am Kaufpreis, sondern am Personal. Wie Sie Nachfolge und Recruiting verzahnen – Zeitplan, Rollen und Fallstricke.

    Von BALDO RedaktionVeröffentlicht am · Aktualisiert am

    In den kommenden Jahren steht in Deutschland eine große Zahl von Steuerkanzleien zur Übergabe an. Der Engpass ist dabei selten die Finanzierung – er ist personeller Natur. Eine Kanzlei ohne stabiles Team ist für Nachfolgerinnen und Nachfolger schlicht weniger wert, weil der Mandantenstamm ohne die Menschen, die ihn betreuen, nicht übertragbar ist.

    Warum Personal den Kanzleiwert bestimmt

    Bei der Bewertung einer Kanzlei zählt nicht allein der Umsatz, sondern seine Beständigkeit. Käufer prüfen deshalb genau: Wie lange sind die Mitarbeitenden im Haus? Wie viele Mandate hängen an einer einzelnen Person? Was passiert, wenn die Inhaberin ausscheidet – bleiben die Mandanten? Eine hohe Abhängigkeit von der Inhaberperson mindert den Preis spürbar, eine eingespielte Zweitreihe erhöht ihn.

    Praktisch bedeutet das: Wer in fünf Jahren übergeben will, muss heute in Personal investieren. Eine Führungsebene unterhalb der Partner, dokumentierte Prozesse und eine breit verteilte Mandantenbetreuung entstehen nicht in sechs Monaten.

    Ein realistischer Zeitplan

    1. Fünf Jahre vorher: Bestandsaufnahme. Wer betreut welche Mandate, wer ist wie lange noch im Haus, wo entstehen Klumpenrisiken? Erste Schlüsselpositionen identifizieren.
    2. Drei bis vier Jahre vorher: Aufbau der zweiten Führungsebene. Teamleitungen etablieren, Berufsträger gewinnen oder intern entwickeln, Weiterbildungen gezielt fördern.
    3. Zwei Jahre vorher: Mandatsverantwortung schrittweise verlagern. Mandanten lernen ihre künftigen Ansprechpersonen kennen, bevor die Übergabe kommuniziert wird.
    4. Ein Jahr vorher: Prozesse dokumentieren, Vertragswerk prüfen, Bindungsinstrumente für Leistungsträger schaffen.
    5. Übergabephase: Klare Kommunikation an Team und Mandanten, definierte Rollen, verlässlicher Zeitrahmen für die Begleitung durch die abgebende Person.

    Interne Nachfolge oder externe Suche?

    Die interne Lösung ist die naheliegende: Eine langjährige Berufsträgerin übernimmt. Das funktioniert, wenn die Person tatsächlich unternehmerisch tätig sein will – nicht jede fachlich exzellente Steuerberaterin möchte Kanzleiinhaberin sein. Diese Frage sollte früh und ehrlich geklärt werden, statt sie in der Schlussphase vorauszusetzen.

    Die externe Suche braucht deutlich mehr Vorlauf und höchste Diskretion. Wird bekannt, dass eine Kanzlei zur Übergabe steht, verunsichert das Mandanten und Mitarbeitende gleichermaßen. Deshalb erfolgt die Ansprache potenzieller Nachfolgerinnen und Nachfolger in aller Regel verdeckt über spezialisierte Netzwerke.

    Leistungsträger halten – gerade jetzt

    Sobald eine Übergabe im Raum steht, steigt die Wechselbereitschaft im Team. Unsicherheit über künftige Führung, Arbeitsweise und Standort führt dazu, dass gerade die gefragtesten Mitarbeitenden Angebote prüfen. Gegenmaßnahmen sind weniger spektakulär als wirksam: frühzeitige, ehrliche Kommunikation, verbindliche Zusagen zu Konditionen über die Übergabe hinaus und, wo passend, Bindungsprämien oder Beteiligungsmodelle. Welche Benefits im Kanzleimarkt tatsächlich wirken, zeigt der Beitrag Mitarbeiter binden in der Kanzlei.

    Recruiting während der Übergabephase

    Viele Kanzleien stellen die Personalsuche während der Nachfolgeplanung ein – ein teurer Fehler. Jede unbesetzte Stelle senkt die Leistungsfähigkeit und damit den Wert der Kanzlei genau in dem Moment, in dem sie geprüft wird. Sinnvoller ist es, die Suche fortzuführen und die Perspektive offensiv zu nutzen: Eine anstehende Übergabe bedeutet für ambitionierte Fachkräfte Aufstiegschancen, die es in etablierten Strukturen selten gibt.

    Für die Ansprache passiver Kandidatinnen und Kandidaten in dieser Phase eignet sich der Weg über Active Sourcing besser als eine öffentliche Ausschreibung, weil die Kommunikation individuell steuerbar bleibt.

    Die häufigsten Fehler

    • Zu spät begonnen: Zwei Jahre reichen für den Aufbau einer zweiten Ebene nicht aus.
    • Nachfolge ohne Zustimmung geplant: Die designierte Person wurde nie gefragt.
    • Kommunikation über Gerüchte statt aktiv gesteuert.
    • Recruiting eingefroren, während der Wettbewerb weiter einstellt.
    • Mandantenbindung ausschließlich an der Inhaberperson belassen.

    Planen Sie Ihre Nachfolge? Wir unterstützen bei der personellen Vorbereitung – vertraulich.

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