Ratgeber

    Für Kandidat:innen · Karriere Steuerfachangestellte Steuerberater

    Vom Steuerfachangestellten zum Steuerberater: Karrierewege im Überblick

    Welche Stationen führen von der Steuerfachangestellten-Ausbildung zum Steuerberater-Examen? Alle Zwischenschritte, Dauer und Alternativen im Überblick.

    Dein Karriereweg als Steuerfachangestellte:r muss nicht an der Tür zur Sachbearbeitung enden. Viele streben danach, die Spitze der steuerberatenden Berufe zu erreichen und selbst Steuerberater:in zu werden. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Wege, die dir offenstehen, um deine beruflichen Ambitionen zu verwirklichen und eine erfolgreiche Karriere als Steuerberater:in aufzubauen. Wir zeigen dir, wie du dich von der Rolle des Steuerfachangestellten zum Steuerberater entwickeln kannst und welche Steine du auf diesem Weg wegräumen musst.

    Der klassische Weg über Steuerfachwirt und Berufspraxis

    Der klassische und oft gewählte Weg, um nach einer Ausbildung als Steuerfachangestellte:r Steuerberater:in zu werden, führt über die Qualifikation zum:zur Steuerfachwirt:in. Nach mindestens drei Jahren Berufspraxis als Steuerfachangestellte:r kannst du dich für die Prüfung zum:zur Steuerfachwirt:in anmelden. Diese Weiterbildung vertieft dein Fachwissen erheblich und bereitet dich auf komplexere Aufgaben in der Steuerberatung vor. Sie ist oft der erste formale Schritt auf dem Weg zum Steuerberaterexamen.

    Nach erfolgreich abgelegter Steuerfachwirtprüfung sammelst du weitere Jahre Berufspraxis. Die genaue Dauer variiert je nach deiner Vorbildung. Wenn du eine abgeschlossene kaufmännische Ausbildung wie die zum:zur Steuerfachangestellte:n hast und anschließend die Steuerfachwirtprüfung erfolgreich bestanden hast, benötigst du weitere sieben Jahre einschlägige Berufserfahrung im steuerlichen Bereich, um zur Steuerberaterprüfung zugelassen zu werden. Diese Praxisjahre sind essenziell, um das theoretische Wissen mit praktischen Fällen zu verknüpfen und ein tiefes Verständnis für die Mandantenbetreuung zu entwickeln.

    Alternative: Studium (Bachelor/Master) mit anschließendem Examen

    Für dich als Steuerfachangestellte:r kann auch ein Studium eine attraktive Alternative darstellen, um die Zulassungsvoraussetzungen für das Steuerberaterexamen zu erfüllen. Ein relevanter Studiengang wäre beispielsweise Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Steuerrecht oder ein spezialisierter Studiengang in Steuerwissenschaften. Nach dem erfolgreichen Abschluss eines Bachelorstudiums (z.B. in BWL) benötigst du anschließend vier Jahre Berufspraxis im steuerlichen Bereich, um die Zulassung zur Steuerberaterprüfung zu erhalten.

    Noch schneller erreichst du die Zulassung mit einem Masterabschluss, der einen steuerrechtlichen Fokus hat. Wenn du einen Master- oder Diplomstudiengang erfolgreich abgeschlossen hast, der die Anforderungen der Steuerberaterkammern erfüllt (dies umfasst in der Regel eine Mindestanzahl an ECTS-Punkten in steuerrelevanten Fächern), reduziert sich die erforderliche Berufspraxis auf lediglich zwei Jahre. Diese Option ist besonders attraktiv für Kandidat:innen, die eine akademische Vertiefung ihres Wissens anstreben und eventuell bereits ein Abitur mitbringen oder über einen anderen Hochschulzugang verfügen.

    Dauer und Aufwand der einzelnen Stationen

    Der Weg vom Steuerfachangestellten zum Steuerberater ist keineswegs kurz und erfordert erheblichen Einsatz. Für den klassischen Weg über den Steuerfachwirt musst du nach deiner Ausbildung mit mindestens drei Jahren Berufspraxis rechnen, bevor du die Steuerfachwirtprüfung ablegen kannst. Die Vorbereitung auf diese Prüfung selbst dauert in der Regel zwischen 1,5 und 2 Jahren, oft berufsbegleitend. Nach dem Steuerfachwirt folgen dann weitere sieben Jahre einschlägige Berufserfahrung, um die Zulassung zum Steuerberaterexamen zu erhalten. Insgesamt kommst du hier auf mindestens 10-12 Jahre nach deiner Ausbildung, bis du die Prüfung ablegen kannst.

    Der alternative Weg über ein Studium variiert ebenfalls stark in der Dauer. Ein Bachelorstudium nimmt in der Regel drei Jahre (sechs Semester) in Anspruch, gefolgt von vier Jahren Berufspraxis. Ein Masterstudium dauert weitere zwei Jahre (vier Semester), womit sich die benötigte Berufspraxis auf zwei Jahre verkürzt. Die Vorbereitung auf das Steuerberaterexamen selbst ist extrem anspruchsvoll und erstreckt sich über einen Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten intensiven Lernens, oft in Vollzeitkursen oder mit einem hohen berufsbegleitenden Aufwand. Dies erfordert ein hohes Maß an Disziplin und Lernbereitschaft.

    Kosten, Förderung und Verdienstausfall

    Die finanzielle Seite der Weiterbildung zum Steuerberater ist nicht zu unterschätzen. Alleine die Lehrgangsgebühren für die Steuerfachwirt-Ausbildung liegen bei ca. 3.000 bis 5.000 Euro. Für das Steuerberaterexamen – insbesondere für die oft notwendigen Präsenzlehrgänge – musst du mit Kosten von 5.000 bis 8.000 Euro rechnen, je nach Anbieter und Umfang. Hinzu kommen Kosten für Fachliteratur, Fahrtkosten und eventuelle Übernachtungen. Ein Bachelorstudium an einer staatlichen Hochschule ist kostenfrei, aber private Hochschulen können Studiengebühren von mehreren tausend Euro pro Semester verlangen.

    Glücklicherweise gibt es verschiedene Fördermöglichkeiten. Das Aufstiegs-BAföG (ehemals Meister-BAföG) kann einen Großteil der Lehrgangs- und Prüfungsgebühren sowie einen Zuschuss zum Lebensunterhalt abdecken, unabhängig vom Einkommen des Ehepartners. Auch Kanzleien unterstützen ihre Mitarbeiter:innen oft finanziell und/oder bieten Freistellungen für Lernzeiten an. Dies ist ein wichtiger Faktor, den du im Rahmen deiner Karriereplanung als Steuerfachangestellte:r zum Steuerberater berücksichtigen solltest. Der größte "Kostenfaktor" kann jedoch der Verdienstausfall sein, wenn du für eine intensive Prüfungsphase, insbesondere für das Steuerberaterexamen, eine längere berufliche Auszeit nimmst. Plane dies frühzeitig mit deinem Arbeitgeber und deinen Ersparnissen ein.

    Welche Kanzleien den Weg aktiv unterstützen

    Nicht jede Kanzlei ist gleichermaßen an der Weiterentwicklung ihrer Steuerfachangestellten interessiert. Großkanzleien und mittelständische Gesellschaften mit einer klaren Personalentwicklungsstrategie bieten oft strukturierte Förderprogramme an. Sie wissen um den Mehrwert gut ausgebildeter Mitarbeiter:innen und sehen die Investition in ihre Talente als Teil ihrer Zukunftssicherung. Solche Kanzleien erkennen das Potenzial in einer Karriere vom Steuerfachangestellten zum Steuerberater und sind bereit, dich dabei zu unterstützen.

    Diese Unterstützung kann vielfältig aussehen: Sie reichen von der finanziellen Übernahme der Lehrgangsgebühren, über die Freistellung für Prüfungsvorbereitungszeiten bis hin zur Bereitstellung interner Mentoring-Programme. Einige Kanzleien bieten auch Gehaltsleistungen während des berufsbegleitenden Studiums oder der Prüfungsphase, um den Verdienstausfall zu minimieren. Bei der Jobsuche oder einem internen Gespräch solltest du explizit nach den Förderprogrammen für die Steuerberaterprüfung fragen und dies als Kriterium in deine Entscheidung einfließen lassen. Eine Kanzlei, die in dich investiert, zeigt damit Wertschätzung und bietet dir eine echte Perspektive.

    Realistische Gehaltssteigerung entlang des Karrierepfads

    Die Gehaltsaussichten sind ein starker Motivator für die anspruchsvolle Weiterbildung. Als ausgebildete:r Steuerfachangestellte:r kannst du in Metropolregionen mit einem Einstiegsgehalt von ca. 42.000 Euro brutto pro Jahr rechnen, in ländlichen Regionen eher bei 34.000 bis 38.000 Euro. Mit dem erfolgreichen Abschluss als Steuerfachwirt:in steigt dein Marktwert und somit auch dein Gehalt deutlich. Hier kannst du mit einem Bruttojahresgehalt von rund 50.000 bis 70.000 Euro und mehr rechnen, abhängig von deiner Berufserfahrung, der Kanzleigröße und der Region.

    Nach dem erfolgreich bestandenen Steuerberaterexamen und der Bestellung zum:zur Steuerberater:in eröffnet sich eine neue Gehaltsdimension. Als angestellter:angestellte Steuerberater:in beginnen die Bruttojahresgehälter bei ca. 70.000 bis 90.000 Euro für Berufseinsteiger:innen. Mit zunehmender Berufserfahrung, Spezialisierung und Verantwortung, beispielsweise als Partner:in in einer Kanzlei, können die Bezüge auch deutlich über 100.000 Euro liegen. Spitzengehälter im sechsstelligen Bereich sind keine Seltenheit und machen den steinigen Weg finanziell sehr attraktiv. Es ist wichtig zu beachten, dass diese Zahlen Durchschnittswerte sind und regionale sowie kanzleiabhängige Schwankungen unterliegen.

    Der Weg vom:von der Steuerfachangestellten zum:zur Steuerberater:in ist lang und anspruchsvoll, aber die Mühe lohnt sich. Ob über den klassischen Pfad des Steuerfachwirts oder über ein akademisches Studium – beide Routen bieten dir die Möglichkeit, dein berufliches Potenzial voll auszuschöpfen. Mit Disziplin, Ausdauer und der richtigen Unterstützung kannst du diesen Karrierewunsch verwirklichen.

    Suchst du eine Kanzlei, die deine Weiterentwicklung mitträgt? Wir vermitteln gezielt dorthin.

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